Deutsche Diözese

Russische Orthodoxe Kirche im Ausland

Porträt von Metropolit Seraphim (Lade)

Metropolit Seraphim (Lade)

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Metropolit Seraphim (Lade, 1883–1950)

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Metropolit Seraphim (Lade), mit bürgerlichem Namen Karl Georg Albert Lade, wurde am 4. Juni 1883 in Leipzig in einer lutherischen Familie geboren. Seine schulische Ausbildung erhielt er in Dresden, wo er 1900 das Gymnasium abschloss.

Sein Interesse an der Orthodoxie erwachte nach einem Besuch der russisch-orthodoxen Kirche des heiligen Simeon des Gottesträgers bei der russischen diplomatischen Mission in Dresden. 1904 trat er zum orthodoxen Glauben über und erhielt den Namen Seraphim zu Ehren des heiligen Seraphim von Sarow. Im folgenden Jahr trat er in das Geistliche Seminar in Sankt Petersburg ein, das er 1907 abschloss. Im selben Jahr weihte ihn der Erzbischof von Wolhynien, Antonij (Chrapowizki), der spätere Ersthierarch der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, zum Priester.

Vater Seraphim diente in der Kathedrale der Verklärung Christi von Nowograd-Wolynski und war zugleich als Lehrer tätig. 1912 trat er in die Moskauer Geistliche Akademie ein, die er 1916 abschloss. Im Sommer 1914 betreute er während der Semesterferien vorübergehend die russisch-orthodoxe Gemeinde in Hamburg. Nach Abschluss der Akademie wirkte er in Charkow, wo er unter anderem Deutsch und weitere Fächer unterrichtete. Nach dem Tod seiner Ehefrau Anfang 1920 wurde Vater Seraphim zum Vorsteher der Mariä-Schutz-Kathedrale in Tschugujew ernannt. 1922 kehrte er nach Charkow zurück und setzte seinen Dienst in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale fort.

1924 trat Vater Seraphim in den Mönchsstand ein und wurde wenig später zum Bischof von Smijew geweiht. Sein bischöfliches Wirken fiel in eine der kompliziertesten Epochen der Kirchengeschichte in der Ukraine, als nach der Revolution verschiedene kirchliche Bewegungen und Jurisdiktionen entstanden. In dieser Zeit hielt sich Bischof Seraphim zeitweise im Umfeld der Erneuererbewegung auf. 1930 reiste er nach Deutschland und wandte sich an den Bischofssynod der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland mit der Bitte um Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft. Nach Prüfung seines Falls beschloss der Synod, Bischof Seraphim in seinem bestehenden Bischofsrang aufzunehmen. In den 1930er Jahren war Bischof Seraphim als Vikarbischof der Deutschen Diözese tätig, zunächst als Bischof von Tegel, dann als Bischof von Wien und schließlich von Potsdam. 1938 wurde er zum Diözesanbischof der Deutschen Diözese mit dem Titel ernannt. 1939 wurde er in den Rang eines Erzbischofs und 1942 in den Rang eines Metropoliten erhoben.

Die Amtszeit Metropolit Seraphims an der Spitze der Deutschen Diözese fiel in die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Das kirchliche Leben in Deutschland und den besetzten Gebieten stand unter dem starken Einfluss der politischen Verhältnisse. Metropolit Seraphim stand vor der Aufgabe, die seelsorgliche Betreuung der Orthodoxen, darunter auch der Kriegsgefangenen und der nach Deutschland verschleppten Zivilpersonen, zu organisieren. Seine öffentlichen Äußerungen und einzelne Entscheidungen aus der Kriegszeit sind Gegenstand historischer Forschung und müssen im Kontext der komplexen politischen und kirchlichen Verhältnisse jener Zeit betrachtet werden.

Nach Kriegsende stand Metropolit Seraphim vor einer neuen, außerordentlich schwierigen Aufgabe: dem Wiederaufbau und der Neuordnung des kirchlichen Lebens im Nachkriegsdeutschland. Millionen Menschen waren aus ihren bisherigen Wohnorten vertrieben oder verschleppt worden, darunter Hunderttausende Orthodoxe. In den westlichen Besatzungszonen entstanden zahlreiche Lager für Displaced Persons, in denen sich neue orthodoxe Gemeinden bildeten. Unter diesen Bedingungen wuchs die Deutsche Diözese erheblich: Dutzende neue Gemeinden wurden gegründet, für die Geistliche, Gotteshäuser und eine entsprechende kirchliche Organisation benötigt wurden.

Metropolit Seraphim besuchte regelmäßig die DP-Lager und Gemeinden in verschiedenen Teilen Deutschlands, nahm Kirchweihen vor, traf mit Geistlichen und Gläubigen zusammen. Besonderes Augenmerk legte er auf die Organisation des kirchlichen Lebens in den Lagern für Displaced Persons, wo sich orthodoxe Flüchtlinge häufig unter äußerst schwierigen und unsicheren Bedingungen befanden. In diesen Jahren wurden die Strukturen der Diözese wieder aufgebaut, neue Gemeinden gegründet und die kirchliche Wohlfahrtspflege ausgebaut. Zum Zentrum dieser Arbeit wurde München, wohin 1945 der Sitz des Diözesanbischofs verlegt wurde. Gerade in diesen Nachkriegsjahren entstand jene Struktur der Deutschen Diözese, die ihre Entwicklung bis heute maßgeblich prägen sollte.

Am 14. September 1950 verstarb Metropolit Seraphim in München. Zunächst wurde er auf dem Friedhof in München-Solln beigesetzt; 1980 wurden seine sterblichen Überreste auf den Russisch-Orthodoxen Friedhof in Wiesbaden überführt.