Deutsche Diözese

Russische Orthodoxe Kirche im Ausland

Porträt von Bischof Philipp (Gardner)

Bischof Philipp (Gardner)

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Bischof Philipp (Gardner, 1898–1984)

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Bischof Philipp, mit bürgerlichem Namen Iwan Alexejewitsch Gardner, wurde am 9. Dezember 1898 in Sewastopol geboren. In die Geschichte ging er vor allem als einer der bedeutendsten Erforscher der russischen Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts ein, zugleich als Komponist geistlicher Werke, Pädagoge und Bischof.

Iwan Gardner verbrachte seine Kindheit und Jugend in Moskau. Ab 1912 besuchte er das Kaiserliche Zesarewitsch Nikolai Lyzeum. Nach seinem Umzug nach Sewastopol im Jahr 1915 begann er, sich intensiv mit Musik zu beschäftigen. Während des Bürgerkriegs kam Iwan Gardner in das Umfeld des Bischofs von Sewastopol, Weniamin (Fedtschenkow), bei dem er als Beauftragter für besondere Angelegenheiten tätig war.

Im Herbst 1920 verließ er gemeinsam mit Bischof Weniamin die Krim in Richtung Konstantinopel. Anschließend gelangte er auf die Insel Lemnos, wo er seine bereits in Sewastopol begonnene Tätigkeit in der Pfadfinderbewegung fortsetzte. 1921 zog er nach Warna und trat im folgenden Jahr in die Orthodoxe Theologische Fakultät der Universität Belgrad ein. Dort studierte er Liturgik, orthodoxen Kirchengesang und Komposition. In diesen Jahren entwickelte sich sein Interesse an der Geschichte der orthodoxen Kirchenmusik und wurde später zu seinem zentralen Lebenswerk.

1928 schloss Iwan Gardner sein Studium ab und wurde Dozent für Kirchengesang, Griechisch und Liturgik am Geistlichen Seminar in Cetinje. Um 1930/31 trat er im Kloster Miljkovo in den Mönchsstand ein und erhielt den Namen Philipp. Wenig später wurde er zum Mönchspriester geweiht. Anfang der 1930er Jahre wirkte er in den Karpaten, wo er zugleich unterrichtete und die dortige Tradition des Kirchengesangs erforschte. Er sammelte alte Handschriften und Irmologien aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und studierte die Geschichte des karpatorussischen Kirchengesangs.

Von 1934 bis 1937 wirkte Vater Philipp in der Russischen Geistlichen Mission in Jerusalem. Dort widmete er sich der Verlagsarbeit und war in der Redaktion der Zeitschrift „Heiliges Land“ tätig. Zu seinen bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten gehörte die Übersetzung der Liturgie des Apostels Jakobus aus dem Griechischen ins Kirchenslawische, die 1937 veröffentlicht wurde. 1938 wurde diese Liturgie erstmals von ihm in Belgrad gefeiert.

Von 1938 bis 1942 war Archimandrit Philipp in Wien tätig. Am 14. Juni 1942 wurde er zum Bischof von Potsdam, Vikarbischof der Berliner und Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, geweiht und zum Vorsteher der Auferstehungskathedrale in Berlin ernannt.

Bei den Bombenangriffen auf Berlin im Jahr 1944 wurden seine umfangreiche Bibliothek und sein Archiv zerstört. Daraufhin verließ Bischof Philipp die zerstörte Stadt und ließ sich in Bayern nieder. Noch im selben Jahr wurde er von seinem Amt als Vikarbischof entbunden und mit einem Dienstverbot belegt. 1950 wurde ihm auf eigenen Antrag vom Bischofssynod der ROKA aufgrund seiner Eheschließung der Bischofsrang aberkannt und die Mönchswürde entzogen.

In den Nachkriegsjahrzehnten wurde Iwan Alexejewitsch Gardner vor allem als Wissenschaftler bekannt. 1954 erhielt er eine Dozentenstelle an der Universität München, wo er Geschichte und liturgische Musik der Russischen Orthodoxen Kirche lehrte. Diese Tätigkeit übte er bis zu seinem Lebensende aus. 1965 wurde ihm für seine Untersuchung des altrussischen demestischen Gesangs und seiner Notation der Doktorgrad der Philosophie an der Universität München verliehen.

Gardner verfasste rund 540 wissenschaftliche und publizistische Arbeiten sowie etwa 120 geistliche Kompositionen und Bearbeitungen. Seine Forschungen wurden in russischer und deutscher Sprache veröffentlicht, während seine Vorträge über die russische Kirchenmusik in Deutschland, Belgien, Frankreich, der Schweiz und weiteren Ländern erklangen.

Das bedeutendste Ergebnis seiner wissenschaftlichen Arbeit war sein grundlegendes Werk „Der liturgische Gesang der Russischen Orthodoxen Kirche“, in dem er die tausendjährige Geschichte des russischen Kirchengesangs und seine Verbindung mit dem orthodoxen Gottesdienst darzustellen suchte.

Die letzten Jahrzehnte seines Lebens waren eng mit München verbunden. Hier konnte Iwan Alexejewitsch seine wissenschaftliche und pädagogische Tätigkeit fortsetzen und wurde zu einem der bedeutendsten Vermittler zwischen der russischen Tradition des Kirchengesangs und der westlichen Musikwissenschaft. Er verstarb am 26. Februar 1984 in München.


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