Weihnachtsbotschaft des Erzbischofs Mark an die gottbehütete Herde der Deutschen Diözese

Alles wird heute mit Freude erfüllt, Christus ist von der Jungfrau geboren...

Weihnachten gilt seit alters her als ein Familienfest, offenbart es uns doch das Ideal der Familie, das Ideal der Reinheit und Keuschheit. Selbst im heutigen Gott vergessenden Europa versammeln sich an diesem Tag die Familienmitglieder traditionsgemäß um den festlich gedeckten Tisch, versuchen sich gegenseitig mit Geschenken zu erfreuen und freuen sich am Anblick des in der Krippe liegenden Christuskindes.

Kann aber eine solche geerdete, oberflächliche Feier des Weihnachtsfestes das Herz mit wahrer Freude und Frohlocken erfüllen, wenn doch der innere, göttliche Sinn von Familie, Vaterschaft und Mutterschaft in der gegenwärtigen Gesellschaft verloren ist?

Allein in der Kirche Christi gibt uns der Allerhöchste Selbst das Vorbild der erhabensten Vaterschaft und der höchsten Mutterschaft. Der Sohn Gottes wird vorewig aus dem anfanglosen Vater geboren. In der Zeit aber wird Er durch den Heiligen Geist von der jungfräulichen Mutter geboren. Geboren wird Er, um die Menschheit von der Sünde und ihrer grässlichen Ausgeburt - dem Tod- zu retten. Höher als der Himmel und reiner als die Sterne ist diese Geburt. Durch die Allheilige und Allreine Jungfrau tritt der Retter des Alls in die Welt. So empfinden und erleben wir orthodoxe Christen jedes Jahr von neuem dieses erhabenste Ereignis. Das Licht der Weihenacht ist uns aufgeschienen und erleuchtet uns den Weg zu Christus und Seinem Heil. Gott ist aus Seiner unermesslichen Liebe zu Seiner Schöpfung Mensch geworden und hat uns den Weg zur Vergottung eröffnet!

Wie dankbar müssen wir doch der Vorsehung Gottes dafür sein, dass wir bis heute das Weihnachtsfest nach dem uns von den heiligen Vätern überlieferten kirchlichen Kalender feiern - wenn die laute Eitelkeit der westlichen Feiertage verstummt, und die uns umgebende Welt zu ihrem gewöhnlichen gesetzten Leben zurückkehrt. Wenn die Wochen des Konsumwahns zu Ende gehen, dann können wir in unseren orthodoxen Kirchen und in unseren Familien uns ruhig auf das geistliche Begehen der Geburt Christi, dieses himmlisch-irdischen Ereignisses, vorbereiten.

Die Konsumideologie hat die Bedeutung des größten christlichen Feiertags entstellt, hat ihn zu einer Ansammlung verschiedener Bräuche und Rituale gemacht, die ihres Sinnes beraubt sind. Was kann das für ein Feiertag der Mutterschaft sein, umso mehr der reinen, jungfräulichen, keuschen, wenn in der zeitgenössischen Gesellschaft das Gebären von Kindern längst aufgehört hat als erwünscht oder natürlich zu gelten? Den Kindern wird bereits in den Kindergärten und Schulen eine widernatürliche Einstellung zum Geschlecht und Geschlechtsleben beigebracht. Anstelle der Liebe wird tierischer Instinkt gelehrt. Die Befriedigung des Geschlechtstriebs wird als Eigenwert und Selbstzweck angesehen, der nicht in natürlicher Weise mit der Gründung einer Familie, der Geburt und Erziehung von Kindern zu tun hat. In vielen Ländern des Westens wurden oder werden bereits Gesetze erlassen, die gleichgeschlechtliche „Ehen" mit der von Gott gebotenen Gemeinschaft von Mann und Frau gleichsetzen. Und so etwas wird den Kindern in staatlichen Schulen beigebracht! So wird der Staat zum Verräter an tausendjährigen Grundlagen des Familienlebens. Ungesetzlichkeit wird zum Gesetz, die Sünde wird zur Norm erklärt, Lüge - zur Wahrheit...

Eine solche Verhöhnung unserer Kinder, die ihre Jungfräulichkeit vor der Ehe und Keuschheit in der Ehe bewahren wollen, dürfen wir, liebe Brüder und Schwestern, nicht zulassen! Unsere Kinder dürfen nicht von klein auf des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben (1. Joh. 2, 16) lernen, dürfen nicht unter das Joch der zum Gesetz erhobenen Unzucht geraten.

Die Kirche bewahrte und bewahrt die von Gott eingesetzte Lehre von der Heiligkeit der Familie. Die Kirche bezeugt die Reinheit der gottgegebenen Ordnung in Familie und Gesellschaft. Wenn die Ehe wie bisher als heiliges Mysterium angesehen wird, dann wird auch das Gebären von Kindern ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Lebens bleiben. Wenn die Ehrung des Nächsten als des Antlitzes Gottes gelehrt wird, dann wird die Gesellschaft aus Menschen bestehen, die einander nicht betrachten wie ein T ier das andere - mit Bosheit und Begierde, sondern wie ein Bruder den anderen - mit Liebe und Barmherzigkeit. Wenn Keuschheit zur Grundlage menschlicher Beziehungen gemacht und die keusche Ehe als Heiligtum angesehen wird, dann werden Ehebande nicht in unzähligen und unmenschlichen Scheidungsprozessen zerfallen. Wenn eine christliche Einstellung zum Leben und den Werten der Familie wiederhergestellt wird, dann hört die Gesellschaft auf, einen kranken vertrocknenden Baum darzustellen, an dem mehr Äste absterben als aufblühen.

Wir brauchen keine Bruderkriege, wir brauchen keine Krankheiten, die auf Zulassung Gottes ganze Kontinente erfassen und junge Menschen dahinraffen, die von der Propaganda der geschlechtlichen Unenthaltsamkeit und jeglicher Perversität verführt wurden. Wir brauchen reine Liebe zu Gott und Seiner Schöpfung. Wir brauchen die Einhaltung der göttlichen Gebote in der Form, in der die Kirche sie seit jeher dem gläubigen Volk verkündete. Wir brauchen die Reinheit, die uns die Allerheiligste Gottesgebärerin so vollkommen zeigt, die um dieser Reinheit Willen zum erwählten Gefäß der Fleischwerdung des Gottessohnes auf unserer Erde wurde.

Und wenn wir unserem Leben - dem familiären wie dem gesellschaftlichen - eine solche Grundlage verleihen, dann wird Nebel und Finsternis entfliehen, und wir werden neue Generationen zum Licht der Liebe Christi führen können. Dann kann der Retter der Welt von immer Neuem in unseren liebenden Herzen Fleisch annehmen. Nur dafür lohnt es sich, dass wir auf dieser Erde leben!

Christus wird geboren! Frohlocket!

Berlin-München, Christi Geburt 2012

Veröfentlicht am: 12.12.2012
Aktualisiert am: 11.05.2013