Metropolit Panteleimon (Rožnovskij), 1867-1950

Der nachfolgende Text wurde vor kurzem im Archiv der Deutschen Diözese (= Archiv Germanskoj Eparchii (kurz: AGE)) entdeckt. Es ist die handschriftliche Autobiographie des Metropoliten Panteleimon (Rožnovskij). Sie besteht aus drei Blättern von denen zwei beidseitig beschrieben sind, das letzte – einseitig.

Die biographischen Angaben stammen aus dem in Kooperation mit unserer Diözese herausgegebenen Buch von A. A. Kornilov, „Lasst uns hinüberfahren…“ Mk. 4, 35 über die Tätigkeit der orthodoxen Geistlichen im „Displaced-Persons“-Lager Schleissheim 1945-1951 (russ.), Nižnij Novgorod – München 2011, S. 59-63.

Der künftige Metropolit Panteleimon – weltlicher Name: Pavel Rožnovskij – wurde am 21. Oktober 1867 in der russischen Stadt Kostroma geboren, in einer adligen Familie. Der Vater war Pole, römisch-katholisch, und die Mutter war Russin, orthodox. Pavel schloss die Realschule ab und erfuhr eine militärtechnische Ausbildung. Dann belegte er die missionarischen Kurse an der Geistlichen Akademie von Kazan, nach deren Abschluss er Mönch wurde mit dem Namen Panteleimon. Er wurde zum Archimandriten des Dreifaltigkeits-Klosters von Vitebsk. Die Weihe zum Bischof von Dvinsk, Vikar der Diözese von Vitebsk, erhielt er 1913. Wie der spätere Ersthierarch der Russischen Auslandskirche, Metropolit Anastasij (Gribanovskij), nahm auch er am Landeskonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche 1917-1918 teil. Patriarch Tichon berief ihn zum leitenden Bischof der Diözese von Pinsk und Novogrudok, die zu diesem Zeitpunkt zum Territorium des unabhängigen Staates Polen gehörte. Die polnische Regierung verfolgte den Bischof für seinen Einsatz zugunsten der Orthodoxie und dafür, dass er es ablehnte, sich den „Provisorischen Regeln für die Orthodoxe Kirche“ zu unterwerfen.

Vladyka Panteleimon verbrachte insgesamt 18 Jahre in einem Kloster unter polizeilicher Beobachtung, faktisch in Verbannung und Isolation. Nach der Teilung Polens und mit Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges wurde Erzbischof Panteleimon (diesen Titel hatte er noch von Patriarch Tichon erhalten) zum Oberhaupt der Weißrussischen Autonomen Orthodoxen Kirche.

Der Herr bewahrte Vladyka bis zur Zeit der „Displaced Persons“ (DP - wie die Kriegsflüchtlinge damals genannt wurden). Zusammen mit den anderen weißrussischen Bischöfen schloss er sich 1946 dem Klerus der Russischen Auslandkirche an, ebenso wie die gesamte Geistlichkeit der Weißrussischen Autonomen Kirche, aber er nahm nicht aktiv an der Arbeit des Bischofssynods teil. Er lebte in dem Lager Klein-Schleissheim und starb am 17./30. Dezember 1950, im gleichen Jahr wie kurz zuvor Metropolit Seraphim (Lade)1. Die Beerdigung fand am 20. Dezember/2. Januar 1951 auf dem Friedhof in Feldmoching bei München statt, am Tag des damals noch nicht kirchlich heiliggesprochenen Johannes von Kronstadt.

Wir haben ein Sendschreiben des Metropoliten Panteleimon, das er kurz vor seinem Ableben verfasste. Darin spiegelt sich seine Sorge um die Einheit der Kirche und die Treue ihrer Kinder, vor allem aber auch um die Treue der Geistlichen zu den Glaubensgrundlagen, die von den heiligen Aposteln und Christus selbst stammen. Das Sendschreiben wurde von der Emigrantenzeitschrift „Weißes Russland“ publiziert, die sich als Organ des antikommunistischen Nationalen Befreiungskomitees bezeichnete. Hier ist der Text dieses letzten Sendschreibens.

Sendschreiben von Vladyka Panteleimon

„Geliebte Kinder Christi!

Seit den Zeiten des heiligen Vladimir existierte in der Rus‘ die Orthodoxe Kirche. Gegründet durch die heiligen Apostel, hatte sie als ihr Haupt unseren geliebten Herrn Jesus Christus.

Nun gibt es im Ausland einen Teil dieser Kirche; in der Heimat stand ihr am Anfang der Revolution der Patriarch Tichon vor und zu ihr gehörten unsere Väter und Großväter. Diejenigen, die sich von dieser Kirche abspalteten, hießen Schismatiker oder Sektierer. Jetzt steht dem Teil dieser Kirche, der sich im Ausland befindet, ein Konzil von Bischöfen vor, von denen manche schon zur Zeit des Zaren Bischöfe waren. Wir sollten uns freuen und Gott danken, dass sich mit den orthodoxen Menschen, die von der Heimat losgerissen sind und unter schweren Umständen leben, auch die Orthodoxe Kirche hier befindet, die für diese Menschen Trost und Hilfe bieten kann.

Aber welch ein Schrecken – anstatt im Ausland ein Beispiel der Weisheit, der Einheit und der Frömmigkeit vor den Andersgläubigen (Heterodoxen) zu sein, besonders jetzt, da allen Anzeichen nach die Zeit der Machtergreifung durch den Antichristen naht, die die Heilige Schrift und die heiligen Väter der Kirche voraussagen, mehren sich – zur allgemeinen Schande und zum Unglück – die Feinde der Kirche: allerlei Autokephalisten, Baptisten und sonstige ihnen ähnliche. Der Schriftsteller Gogol stellt in einer Komödie den nichtsnutzigen Schurken und Hochstapler Chlestakov dar, der dumme und verdorbene Menschen täuscht, welche ihm zur eigenen Schande Glauben schenken. Ein derartiger Chlestakovismus ist aber in der Religion der Gipfel des Frevels. Es gleicht dem, wie der Teufel, der sich als wohlwollend darstellte, die ersten Menschen verführte, und wie diese, indem sie das Gebot Gottes übertraten, sich selbst und das gesamte Menschengeschlecht ins Verderben stürzten.

Das soll hier nicht geschehen. Geliebte, ich flehe euch an, fürchtet euch vor Neuerungen in unserer Religion, gebt den Verführungen nicht nach, folgt nicht den Nachahmern des Judas Iskariot und denjenigen Juden, die wegen vermeintlicher nationaler Vorteile Christus zurückwiesen. Vielmehr bereut, solang noch Zeit ist, und verbleibt nach dem Beispiel eurer Väter und Großväter in untrennbarer Einheit mit der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche. Und diejenigen, die stets standhaft in der Orthodoxie verblieben, flehe ich an: Weist die Schwankenden zurecht und sogar auch die Abgefallenen. Wisset: „Wer einen Sünder von seinem Irrweg zurückführt, der wird seine Seele vom Tode erretten und eine Menge Sünden zudecken» (Jak. 5, 20).

Die Gnade und der Frieden unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!

Metropolit Panteleimon
August 1950
München-Feldmoching

Autobiographie des Metropoliten Panteleimon (Rožnovskij)

Archiv der Deutschen Diözese = Archiv Germanskoj Eparchii (kurz: AGE), Fonds 4, D 4/1 „Metropolit Panteleimon (Rožnovskij)“ Blatt 1-3 ist die Autobiographie.

Im Jahr 1921 wurde aus den Gemeinden der Diözese von Minsk, die sich nunmehr auf dem Territorium der Polnischen Republik befanden, die Diözese von Pinsk und Novogrudok gebildet, und ich wurde vom Heiligsten Patriarchen Tichon zu deren Leiter ernannt. Weil ich die Autokephalie der Orthodoxen Kirche in Polen nicht anerkannte, wurde ich in einem Kloster interniert, wo ich die gesamte Zeit verblieb bis die Sowjetmacht kam, und vom Patriarchen Tichon war ich auch in den Stand eines Erzbischofs erhoben worden. Als Polen zerschlagen wurde 1939 und ein Teil seines Territoriums unter die Verwaltung der Sowjetmacht fiel, übernahm ich, der ich mich damals im Kloster von Zirovicy befand, die Verwaltung der Diözese von Grodno und fast der gesamten Diözese von Wilno, die ohne Bischöfe geblieben waren.

Ich meldete mich beim Patriarchatsverweser, Metropolit Sergij, und wurde zunächst für eine kurze Zeit zum Exarchen des westlichen Weißrusslands und der Ukraine ernannt, später dann in den Rang eines Metropoliten erhoben.

Im Jahre 1941 besetzten die Deutschen Weißrussland und die Grenze zum westlichen Weißrussland – Minsk, Smolensk, Witebsk, Mogilev usw. – war offen. Außer mir und meinem Vikarbischof Venedikt Bobkovskij2 [über der Zeile: des Bischofs von Brest] befand sich dort kein einziger Bischof. Indessen überflutete eine Menge katholischer Priester und baptistischer Prediger das östliche Weißrussland. Um ihren Einfluss entgegenzutreten, wurde die Geistlichkeit im Grenzgebiet zur maximalen Aktivität bei der geistlichen Versorgung

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der östlichen Nachbargemeinden angehalten, die keine Priester hatten. Aus demselben Grund wurde dem Priestermönch Vladimir Finkovskij, dem Vorsteher der Gemeinde des Gebietes von Brest, der mit uniformierten Deutschen zusammen in einem Auto nach Zhirovicy gekommen war, eine Reise nach Minsk gestattet. Aber Vladimir Finkovskij meinte nun, nachdem er in Minsk der Militärführung nahe gekommen war, er sei ein eigenständiger Administrator und löste sich von der Diözesanverwaltung [über der Zeile: und begann, Priester in Gemeinden einzusetzen]. Um dem Finkovskischen Treiben Einhalt zu gebieten, musste mein Vikar [über der Zeile: von Brest], der Bischof Venedikt, nach Minsk fahren, und er nutzte die Ankunft der Zivilverwaltung in Minsk, einigte sich mit ihnen, wobei der Generalkommissar die Forderung erhob, dass die Kirchenverwaltung Weißrusslands ihren Sitz in Minsk haben sollte und keinerlei Beziehung haben sollte weder zu Moskau (Patriarchie), noch zu Berlin (dem dortigen Metropoliten Seraphim), noch zu Warschau (dem Metropoliten Dionisij), und dass die Orthodoxe Kirche in Weißrussland national und autokephal genannt werden und sein sollte. Hierbei wurde darauf hingewiesen, dass es auch in der Ukraine eine autokephale Kirche gebe.

In einer ausweichenden Antwort auf diese Forderung wies ich, unter Umgehung der Frage nach der Autokephalie, auf die Notwendigkeit hin, dass eine Orthodoxe Kirche mit den übrigen orthodoxen Kirchen in Gemeinschaft stehen müsse, und dass ich bereit sei in der von den deutschen Behörden erwünschten Richtung zu arbeiten.

Zu dieser Zeit hatten sich in verschiedenen Städten Weißrusslands chauvinistische Nationalkomitees gebildet und es gab eine weißrussische Administration, die unter der Leitung der Deutschen arbeitete. Sie alle drängten auf die Erfüllung der deutschen Forderungen. Und ihr Einfluss war in Minsk besonders stark. Großen Schaden richteten hierbei die Polen und Katholiken an, die sich als Weißrussen bezeichneten und zum Schaden der Orthodoxie arbeiteten.

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So leitete, zum Beispiel, die gesamte Schulverwaltung in Weißrussland der katholische Priester Godlewski3, der [gestrichen: der stellvertretende Vorsitzende] [über der Zeile: zur gleichen Zeit] [anstelle: einer einflussreichen Organisation mit dem Namen] einen sehr großen Einfluss auf eine Organisation namens „Selbsthilfe“ hatte, [gestrichen: und] die ihre Zweigstellen in vielen Orten Weißrusslands hatte. Diese Organisation war so einflussreich, dass sie sogar versuchte, in Minsk die kirchliche Wohltätigkeit gegenüber den Flüchtlingen und den Kranken zu kontrollieren; der Staatskommissar von Minsk war der Katholik Professor Iwanowski4, der den Stundisten die meiste Unterstützung gewährte: Die Redaktion der weißrussischen Zeitung, die in Minsk herausgegeben wurde, bestand ausschließlich aus Katholiken, die sich mit aller Kraft bemühten, der Orthodoxie zu schaden. Als dann der Weißrussische Zentralrat (Belorusskaja Centralnaja Rada) gegründet wurde, an deren Spitze Ostrowski5 stand, erhielt unsere Kirchenverwaltung von ihm Dekrete, niemanden zu weihen, zu versetzen, zu entlassen ohne die Erlaubnis des Zentralrats und ähnliche Forderungen.

Nachteilig wirkte sich für die Kirchenverwaltung Weißrusslands auch die Handlungsweise von Alexander Inozemcev aus, der die Diözese von Polesje leitete [über der Zeile: der Vladimir Finkovskij unterstützte und mit Ostrowski freundschaftliche Beziehungen unterhielt.] Zu guter Letzt fehlte es auch unter der Geistlichkeit in Minsk an umfassender Einmütigkeit und erforderlicher Standhaftigkeit.

Noch vor der Bildung des Zentralrats, befahl man mir aus dem Generalskommissariat die gesamte Kirchenverwaltung an den von mir zum Bischof geweihten Filofej Narko6 zu übergeben, dann wurde ich einige Monate später von der politischen Polizei aus Minsk weggebracht in das kleine Dörfchen Ljady, wo es eine zerstörte Kirche gab und ein steinernes Gebäude, das durch eine Schule belegt war – Überreste eines früheren Klosters. Hier verbrachte ich fast ein halbes Jahr unter sehr schweren materiellen Bedingungen und wurde, nach einem kurzen Aufenthalt in Minsk, nach Vilejka verbracht, wo man mir

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eine Bleibe in der Nähe der politischen Polizei zuwies als einem Verhafteten und zwang mich, mich täglich bei der politischen Polizei zwecks Registrierung zu melden. Unter solchen ausweglosen Bedingungen war ich genötigt, nachzugeben und allmählich einige Forderungen der deutschen Behörden anzunehmen.

1. Erstens musste ich nach Minsk umziehen – in diesen siedenden Kochtopf voller Intrigen, Verrat und Gewalt.

2. In Minsk rief die gottesdienstliche Kommemorierung des Patriarchatsverwesers, Metropolit Sergij, heftigen Zorn bei den deutschen Behörden und [über der Zeile: deren Schergen sowie] Unzufriedenheit bei chauvinistisch eingestellten Leuten hervor, weshalb diese Kommemoration eingestellt werden musste.

3. Eingedenk der Verfügung des Heiligsten Patriarchen Tichon7 bezüglich der Einrichtung einer Kirchenverwaltung in dem Fall, dass die Verbindung mit dem Patriarchat unterbrochen würde, die durch seinen Vertreter Erzbischof Agafangel bestätigt wurde, sah ich mich genötigt der provisorischen Bildung einer weißrussischen Metropolie als eines eigenständigen Kirchenverbandes zuzustimmen, der mehrere weißrussische Diözesen umfasste, für deren Leitung zu Bischöfen geweiht wurden: Filofej Narko und Afanasij Martoc8, die in Warschau die theologische Fakultät abgeschlossen hatten, Stefan Sevbo9 und Pavel Meletjev10, die eine Seminarsausbildung hinter sich hatten, und Grigorij Boriškevič11, der die Geistliche Akademie von Kazan‘ abgeschlossen hatte.

Zusammen mit mir und meinem Vikarbischof Venedikt Bobkovskij stellten sie in Weißrussland eine Hierarchie von 7 Personen zusammen. Später kam noch aus dem ukrainischen Episkopat Ioann Lavrinenko hinzu. Alle oben genannten Bischöfe wurden gemäß der Verfügung der deutschen Behörden beim Rückzug der deutschen Heere nach Deutschland evakuiert. Als ich mich noch in Ljady befand, kam in Minsk eine Versammlung

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zustande aus drei Bischöfen, zufällig gegenwärtigen Geistlichen sowie Laien, wobei ich genötigt war, mich damit einverstanden zu erklären, dass der Amtsvorsteher für kirchliche Angelegenheiten Filofej Narko bei dieser Versammlung den Vorsitz führte. Obwohl Ljady nur 50 Kilometer von Minsk entfernt ist, wusste ich wegen der Schwierigkeiten, die die Behörden in Bezug auf Kontakte mit mir machten, überhaupt nichts davon, was bei dieser Kirchenversammlung vor sich ging und erfuhr erst später, dass ungeachtet der nachdrücklichen Forderungen seitens der deutschen Behörden über die Verkündigung einer Autokephalie, eine solche doch nicht erklärt wurde, sondern dass beschlossen wurde, sich vorab an die Oberhäupter der autokephalen Kirchen zu wenden und natürlich auch an die Mutterkirche zwecks Anerkennung dieser Autokephalie. Dennoch nannten die deutschen Behörden, die weißrussischen Chauvinisten, die sich den deutschen Machthabern andienten, und insbesondere die halbpolnische Presse, die sich als weißrussisch bezeichnete, die Orthodoxe Kirche in Weißrussland beharrlich autokephal und national, obwohl sie weder durch die Kirchenverwaltung, noch durch mich zu einer solchen erklärt worden war. Und trotz der eindringlichen Forderungen der deutschen Behörden den Stempel gemäß der vorgelegten Form zu ändern, behielt ich die ganze Zeit meinen anfänglichen Stempel und das frühere Siegel bei, in denen die Orthodoxe Kirche in Weißrussland weder autokephal genannt wurde, noch national.

So verhielt es sich mit dem, was zur Zeit der deutschen Besatzung Weißrusslands zu erleben war. Am furchtbarsten aber waren die Informationen über die terroristischen Aktionen [über der Zeile: und Grausamkeiten] der Besatzer gegenüber der Bevölkerung, die von überall zugetragen wurden. Es gab sogar Fälle, dass ganze Dörfer mit Kindern, [gestrichen: und] Frauen und Kirchen abgebrannt wurden. All das zeugte davon, dass die Menschen sich massenhaft vom Christentum losgerissen haben.

[Ende des Blattes und des Textes]

In der nächsten Nummer des „Boten“ beabsichtigen wir die kurzen „Erinnerungen“ des Metropoliten Panteleimon zu publizieren.

Anmerkungen zum Text:

1. Metropolit Seraphim (Lade - 1883-1950). Geboren in Leipzig, wo eine russische Kirche steht. Konvertiert 1904 in der Dresdner russisch-orthodoxen Kirche aus dem Protestantismus. Ausbildung im St. Petersburger Geistlichen Seminar. 1907 Diakon. 1912 Priester. Studium an der Moskauer Geistlichen Akademie (1912-1916). Kandidat (=Dr.) der Theologie. Dienst in Gemeinden in Volhynien und Charkow. Lehrer am Geistlichen Seminar von Charkow – 1916- 1919. Militärgeistlicher bei der Weißen Armee (1919-1920). 1920 verwitwet, Mönchsweihe 1924. Bischof von Zmijew - 1927. Rückkehr nach Deutschland – 1930. Aufnahme in die Russische Auslandskirche (ROKA), zunächst bedingt, mit dem Titel Bischof von Tegel, später von Potsdam. Nach der Überprüfung wurde er durch das Bischofskonzil 1931 aufgenommen und als Vikarbischof der westeuropäischen Diözese eingesetzt mit dem Titel Bischof von Wien. 1938 – Bischof von Berlin und Deutschland, Erzbischof 1939. Strebte in der schwierigen Nazi-Zeit erfolgreich nach friedlichen Lösungen gegenüber anderen orthodoxen kirchlichen Strukturen (1939-1945), von 1942 an als Oberhaupt des Mitteleuropäischen Metropolitankreises der ROKA. Starb in München. Die sterblichen Überreste wurden auf den Russischen Friedhof in Wiesbaden übertragen. „Als Theologe trat er mit zahlreichen Veröffentlichungen hervor, die das Verständnis für die Orthodoxie im deutschen Sprachraum wesentlich erweiterten, u.a. "Wissenschaft und Religion" (1946); "Die Unsterblichkeit der Seele" (1947); Apologetische Aufsätze" (1948); "Das Orthodoxe Dogma" (1948); "Die Ostkirche" (1950).“ (Zitat aus dem „Gesamtverzeichnis der Bischöfe der Auslandskirche mit Kurzbiografien“, in: G. Seide, Geschichte der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland von der Gründung bis in die Gegenwart, Wiesbaden 1983, S. 425. Zur Biografie vgl.: G. Seide, Wahrheit und Lüge, Zum 40. Todestag von Metropolit Serafim (Lade), Bote 6/1990, S. 19-25).

2. Erzbischof Venedikt (Bobkovskij - 1876-1951). Priesterweihe 1905. Priester in Novogrudok, Weißrussland 1914-1937. Nach dem Tod seiner Ehefrau empfängt er die Mönchsweihe und wird bald darauf zum Archimandriten des Klosters von Zirovicy, wo er bis 1941 bleibt. 30.03.1941 Bischofsweihe in Moskau - Bischof von Brest, ab 1942 (unter deutscher Besatzung) - Bischof von Grodno und Bialystok. Tritt in Kontakt mit der Russischen Auslandskirche. 1943 nimmt an der Wiener Bischofskonferenz teil. 1944 - Evakuierung nach Deutschland. Von 1946 an Mitglied des Bischofskonzils der ROKA und Stellvertreter des Vorsitzenden, des Metropoliten Anastasij (Gribanovskij). Übernimmt nach dem Ableben des Metropoliten Seraphim (Lade), des Oberhaupts der Deutschen Diözese, deren Leitung und stirbt ein Jahr später 1951. Zur Biographie Erzpr. N. A. – Zum 50. Todestag des Erzbischofs Venedikt (Bobkovskij), Bote Nr. 5, 2001, S. 12-21.

3. Wincenty Godlewski - Nationalist und katholischer Geistlicher. Vgl. Tadeusz Piotrowski, Poland’s Holocaust: Ethnic Strife, Collaboration With Occupying Forces and Genocide in the Second Republic, 1918- 1947, Jefferson 1998, p. 148-157 . Sowie: E. S. Jarmusik, Die katholische Gemeinde in Weißrussland in den Jahren des Zweiten Weltkrieges (1939-1945). Insbes.: Kap. 5, Die katholische Gemeinde im Kreis Weißruthenien, Religion und Kirche in den Plänen der weißrussischen nationalen Aktivisten, S. 107-127. Monographie. Grodno 2002.

4. Prof. Iwanowski (Ivanovskij) – s. oben Anm. 3: Kap 5 im Buch von E. S. Jarmusik, Die katholische Gemeinde in Weißrussland…

5. Ostrovskij Radoslav Kazimirovič (1887-1976). Trat öffentl

ich und in der Presse für die Unabhängigkeit Weißrusslands ein ab 1917. Delegierter der ersten All-Weißrussischen Versammlung. Teilnehmer am Aufstand von Sluck (1920). Ab 1921 in Wilno. 1934 - Abgeordneter im polnischen Parlament (Sejm). Unter deutscher Besatzung Chef der Leitung des Landkreises Minsk. Ab Gründung des Weißrussischen Zentralrats (Rada) – Präsident der Rada. Emigrierte nach Deutschland und lebte ab 1956 in den USA.

6. Erzbischof Filofej (Narko - 1905-1986). Mönchsweihe 1928. Priestermönch 1928. Archimandrit 1934. Magister der Theologie 1937. Bischofsweihe durch das Konzil der Weißrussischen Autonomen Orthodoxen Kirche zum B. von Sluck 1941. Erzbischof von Mogilev und Mstislav 1942. Leitete die Weißrussissche Metropolie. 1944 Evakuierung nach Deutschland. Aufnahme in das Bischofskonzil der ROKA zusammen mit den anderen weißrussischen Hierarchen. Leitung des Vikarbistums Hessen der Deutschen Diözese. 1971 Erzbischof von Berlin und Deutschland. Ab 1982 im Ruhestand in Hamburg, wo er 1986 starb.

7. Hier nimmt der Metropolit Panteleimon Bezug auf die Bestimmung Nr. 362 vom 07./20. November 1920. Erzbischof Agafangel (Preobraženskij) wurde 1917 in den Rang eines Metropoliten erhoben, war also bereits Metropolit, als er beim Auftreten der "Erneuerer" und bei deren Versuch, die Leitung der Russischen Kirche an sich zu reißen, sich auf dieses Dokument dem Sinn nach berief, ohne es zu zitieren - Nummer und Datum zu nennen. Der eigentliche Sinn und die Bedeutung dieser (noch) freien Willensäußerung der Kirchenleitung in Russland wurde während der Zeit der Kirchenverfolgung auf das heftigste bestritten. Die Aussage des Metr. Panteleimon scheint eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich dieses Dokuments und seiner korrekten Anwendung zu enthalten. Indes, der Ukaz 362 (gebräuchliche Kurzform) hatte eine große Bedeutung für die Geschichte der Russischen Kirche und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Er wurde nicht etwa allein vom Patriarchen Tichon herausgegeben, sondern gemeinsam von den drei höchsten Instanzen der damaligen Russischen Kirche - dem Patriarchen, dem Synod und dem Obersten Kirchenrat - für den Fall von extremen Situationen. So wurde in den Jahren 1922-1923, als Patriarch Tichon verhaftet war und im Gefängnis, die gesamte Russische Kirche (sowohl in Russland als auch im Ausland) auf der Grundlage dieses Ukaz verwaltet. Aber der Ukaz enthielt zugleich, unabhängig von der Epoche der Kirchenverfolgung, eine weitreichende Perspektive der Neuordnung der Russischen Kirche, weil er in den Beschlüssen des Allrussischen Landeskonzils der Russischen Kirche vom 7. September 1918 gründet, die unmittelbar vor der Schließung des Konzils angenommen wurden. Über die Rolle des Ukaz 362, s. Erzpr. N. Artemoff, Die Bestimmung Nr. 362 vom 7./20. November 1920 und die Schließung der auslandsrussischen Kirchenverwaltung im Mai 1922. Historische und kanonische Bedeutung. Im Buch: Geschichte der Russischen Kirche im 20. Jahrhundert (1917-1933). Materialien der Konferenz in Szentendre (Ungarn) 13.-16. November 2001, München 2002, S. 93-212 (in russ. Sprache). Ders.: "Das Landeskonzil 1917-1918 als Grundlage und Ursprung der Bestimmung Nr. 362 vom 7./20. November 1920" im Sammelband: 1917: Kirche und Schicksalswege Russlands, Zum 90-jährigen Jubiläum des Landeskonzils und der Wahl des Patriarchen Tichon, Orthodoxe Hl.- Tichon Universität, Materialien der Internationalen wissenschaftlichen Konferenz, Moskau 19.-20. November 2007, Moskau 2008, S. 117-134. (in russ. Sprache)

8. Erzbischof Afanasij (Martos – 1904-1983). 1927 - Mönchsweihe in der Lavra von Počaev. 1930 – Priestermönch. Ab 1936 Abt des Jabločinskij-Klosters, Polnische Orthodoxe Kirche, 1938 Archimandrit. 1943 – Bischofsweihe. 1944 – Evakuierung nach Deutschland. 1945 - Aufnahme in das Bischofskonzil der Russischen Auslandskirche. Administrator des Norddeutschen Vikariats der Deutschen Diözese. 1950-1955 - Vikarbischof in Australien. Von 1956 an Bischof und später Erzbischof von Buenos Aires und Argentinien- Paraguay.

9. Erzbischof Stefan (Sevbo – 1872-1965). Priesterweihe – 1896 und Dienst in der Diözese von Minsk. Erzpriester und fast 30 Jahre Dekan in Rakovo (Westliches Weißrussland). Ca. 1913 verwitwet. Setzte sich gegen die Autokephalie der Polnischen Orthodoxen Kirche ein. Wurde 1924 verhaftet und blieb im Gefängnis bis 1940. Schloss sich der Weißrussischen Autonomen Orthodoxen Kirche an. 1942 – Mönchsweihe und im gleichen Jahr Archimandrit und Bischof von Smolensk und Brjansk. 1944 – Evakuierung nach Deutschland. In der Russischen Auslandskirche zum Erzbischof von Wien und Österreich ernannt (1946). Lebte und verstarb in Salzburg.

10. Bischof Pavel (Meletjev – 1880-1962). Mönchsweihe im Kloster von Solovki, 1908 – Mönchsdiakon, 1910 – Priestermönch. Wurde als aktiver Missionar mehrmals in der Sowjetunion verhaftet. Predigte nach der Freilassung 1925 in Moskau, Kaluga und Serpuchov. 1931 zu 7 Jahren Haft verurteilt. 1937 freigelassen. Hatte keinen festen Wohnsitz und war 1941 in Weißrussland. 1943 – Weihe zum Bischof von Roslavl. 1944 – Evakuierung nach Deutschland. Konvertierte 1946 zum Katholizismus. Lebte in Belgien ab 1948 und wurde 1962 von einem Auto tödlich verletzt.

11. Erzbischof Grigorij (Boriškevič – 1889-1957). 1916 – Priesterweihe. Lebte in der Emigration in Polen. 1942 schlug der Erzbischof von Grodno, Venedikt (Bobkovskij), den verwitweten Mitrophoren Erzpriester Grigorij als Bischofskandidat für die autonome Weißrussische Kirche vor. Mönchsweihe, Archimandrit. 11./24.10.1943 Weihe zum Bischof von Gomel und Mozyr (Weißrussische Autonome Kirche) bei der feierlichen Liturgie in der Hl.-Nikolaus-Kathedrale in Wien im Zusammenhang mit der dort stattfindenden Bischofskonferenz. 1944 – Evakuierung nach Deutschland. Nach der Aufnahme in die Russische Auslandskirche Bischof von Bamberg, Vikar der Deutschen Diözese. Ab 1947 Bischof von Montreal und Ost-Kanada. 1950 Mitglied des Bischofssynods, 1952 Erzbischof. Erzbischof von Chicago und Cleveland (1954), von Chicago-Detroit und des Mittleren Westens (1957).

Veröfentlicht am: 12.12.2012
Aktualisiert am: 10.05.2013